Spott und Hohn

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen – eine Lebensweisheit, mit der die Meisten früher oder später mal Bekanntschaft gemacht haben oder noch machen werden. Das schließt mich nicht aus und das ist eigentlich auch ganz gut so, denn wer so wie ich hin und wieder austeilt, sollte auch einstecken können. Mein Glück*, dass ich Selbstironie für eine wichtige Eigenschaft halte. Wo kämen wir schließlich auch hin, wenn wir nicht mehr über uns selbst lachen könnten?

Aber fangen wir von vorne an.

Spott…

Während der Vorbereitungen und Planungen zu meinem Auslandssemester waren diverse Dinge zu berücksichtigen, eins davon Körperhygiene. Da meine letzte Begegnung mit britischen Körperpflegeutensilien, wenn überhaupt, zehn Jahre zurück liegt und Drogerien in der einen Woche, die ich mit 14 Jahren auf einer Insel der Insel verbracht hatte, in diesem Alter in so einer begrenzten Zeit nicht zu den von standardmäßig aufgesuchten Orten gehörten, beschloss ich, möglichst kein Risiko einzugehen, und deckte mich auch noch mal mit einigen Sachen aus deutscher Produktion ein. Dazu gehörten auch Wechselköpfe für meine Zahnbürste, immerhin weiß man ja nie, ob sowas anderswo auch genutzt wird und wenn ja, ob mit den gleichen Köpfen wie bei uns. Erstaunlicherweise konnte nicht jeder der eingeweihten Bekannten meine Bedenken diesbezüglich verstehen, was denn auch dazu führte, dass sich herzlichst von E. ob meiner übertriebenen Vorsicht und Planung amüsiert wurde.

 Von sowas lässt man sich ja aber nicht abhalten, weshalb ich das mit Lächeln und Winken (alternativ auch: Hupen und Weiterfahren) überging und ertrug. Als es dann an die tatsächlichen Reisevorbereitungen ging und ich sich meine Waschtasche wie erwartet als zu klein für alle Ersatzstoffe erwies, wollte irgendwo im Koffer Platz den ganzen Krempel gefunden werden, schließlich sind Flüssigkeiten im Handgepäck ganz großes Pfui. Die Lösung waren dann diverse kleine Taschen im Koffer, und der Reißverschluss des Innenbezuges. Während der Schulzeit hat man den Platz unter dem Bezug ja benutzt, um auf Klassenfahrten Alkohol an den Lehrern vorbei zu schmuggeln, später, um Socken platzsparend zu transportieren; dieses Mal erwies er sich als nützlich, um Hygieneartikel zu verstauen. Multifunktional, wenn man so möchte.

Bevor es dann Richtung Flughafen ging, überprüfte noch ein letztes Mal, ob ich auch wirklich alles eingepackt hatte. Hatte ich natürlich nicht. Es fehlte, wie es die Ironie so möchte, die Zahnbürste. An dieser Stelle ist es vermutlich fast überflüssig zu erwähnen, dass sich E. ob dieser Nachricht später kaum halten konnte und keine Gelegenheit ausließ, mich damit (dieses Mal, zugegeben, gerechtfertigt) aufzuziehen. Da sich auf dem Weg zum Flughafen keine Gelegenheit mehr bot, was an diesem Mangel zu ändern, und die Duty-Free-Shops auch eher ein anderes Kundensegment bedienen, war ich denn auch gezwungen, die Probe auf’s Exempel zu machen und in Großbritannien nach einem geeigneten Gerät Ausschau zu halten. Der erste Supermarkt, dem ich über den Weg lief, war ein ASDA. 24/7 geöffnet, etwa die Ausmaße eines Kauflands/Reals/E-Centers. Meine Hoffnungen wurden dennoch enttäuscht, es gab keine Wechselkopfsysteme. Trotz der Enttäuschung auch eine kleine Genugtuung. Ich hatte Recht! 😛 Änderte aber auch nichts dran, dass ich mir eine alternative Verwendungsmöglichkeit für die pflichtbewusst eingepackten Wechselköpfe überlegen musste.

Da E. übrigens auch ein liederliches Lästermaul ist, wurde die Geschichte von den Wechselköpfen und der Zahnbürste recht schnell zum Running Gag  im Bekanntenkreis, sodass ich mich nach kurzer Zeit von verschiedenen Seiten darauf hinweisen lassen musste, dass ich was vergessen hatte.

… und Hohn

Kurzer Zeitsprung in die Gegenwart, respektive ins Gestern. Mittlerweile habe ich mich hier ja gut einstudiert, der Abgabetermin für meine Hausarbeiten und das Veranstaltungsende rücken unaufhaltsam näher und ich tobe mich entsprechend Tag für Tag in der hiesigen Universitäts- und manchmal auch in der Nationalbibliothek aus. So auch gestern, wo ich mich gerade wieder auf den bekannten Weg machen wollte. Während ich nichtsahnend meine Schuhe zuband, machte zugleich auch der Postbote seine Runde und warf mir unversehens einen Brief vor die Füße. Da ich nichts erwartete, wollte ich ihn für seinen Adressaten vom Fußboden auf die Kommode legen, fand aber zu meiner Überraschung meinen Namen drauf. Ein Absender wollte sich nicht zu erkennen geben, dafür prangte recht groß ein Poststempel aus Cardiff drauf. Das Problem an der Sache ist nur: Ich kenne niemanden in Wales.

Eine Sekunde später drehte sich eines der vielen Rädchen in meinem Kopf ein wenig weiter und machte Klick. Ich kenne zwar niemanden in oder aus Wales, aber ich kenne jemanden, der jemanden in Wales kennt und diesen jemand auch jüngst dort besucht hat. Somit ergab sich als Absender nur S., der ich aber meiner Erinnerung nach nie meine Adresse in Edinburgh gegeben hatte. S. kennt allerdings auch E. und E. hat meine Adresse und war zusätzlich erst jüngst mit S. auf einem Forentreffen, das sicherlich genug Gelegenheit zum Austausch, Plaudern und Lästern geboten hat.** Nachdem so nun zumindest die Provenienz  geklärt war, verblieb noch die Frage, was S. mir brieflich mitzuteilen hätte, zumal in einem A5-Umschlag.

Ich denke, an dieser Stelle kann ich mir eigentlich das weitere Tippen sparen, es wird ohnehin schon jeder wissen, worauf das Ganze hinaus läuft. Aber Cliffhanger sind immer blöd.
Ich öffnete also den Umschlag und fand darin – eine neue Wechselkopfzahnbürste. Kein Begleitbrief, keine Lösegeldforderungen, lediglich ein gelooptes Bändchen als Erkennungszeichen des verräterischen Packs.

Zahnbürste

Et tu, Brute?

Ich habe herzlich gelacht, mich sehr gefreut, bin mir aber dennoch nicht sicher, ob ich diese beiden Schlangen an meiner Brust nun für ihre schändliche Verschwörung gegen mich hassen oder lieben soll. Vermutlich beides. Eventuell letzteres ein wenig mehr als ersteres. Trotzdem, um es auch hier nochmal gesagt zu haben: Ihr seid doof! Alle beide! 😉

* Nicht zwingend auch das meiner Freunde.
** Angeblich hat man sich dort nur Gutes über mich erzählt. Wer’s glaubt…

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